Weitwandern mit Kind und Hund: Tipps für die erste Fernwanderung
Weitwandern mit Kind und Hund: Tipps für die erste Fernwanderung

Weitwandern mit Kind und Hund: Tipps für die erste Fernwanderung

Weitwandern mit Kind, ein gemeinsames Abenteuer und tolle Aussichten gratis dazu

Einmal mehrere Tage am Stück wandern, den Alltag im zurücklassen und einfach nur einen Fuß vor den anderen setzen – dieser ungelebte Traum vom Weitwandern mit Kind und Hund schlummerte schon ewig in meiner Schublade. Aber seien wir ehrlich: Als Flachlandtiroler mit einer neunjährigen Tochter und einer quirligen Fellnase im Gepäck sieht die Realität oft anders aus als im Hochglanzprospekt.

Das Thema Weitwandern mit Hund und Kind wirft erst einmal tausend Fragen auf: Schaffen wir die Höhenmeter? Finden wir hundefreundliche Unterkünfte? Und wie motiviere ich ein Kind jeden Tag schon wieder viel einen langen Fußmarsch zu absolvieren?

In diesem Artikel teile ich meine Erfahrungen und besten Tipps für das Weitwandern für Einsteiger. Ich verrate dir, warum wir uns für das Konzept der Standort-Unterkünfte entschieden haben, wie wir uns als „Normal-Sportler“ vorbereitet haben und was wir aus unseren Fehlern gelernt haben. Damit euer erstes Familienabenteuer kein Gewaltmarsch, sondern ein echter Glückstaumel-Moment wird.

Unsere Anforderungen: Wie finde ich die perfekte Strecke?

Wie findet man eigentlich den perfekten Einstiegsweg für die erste Familien-Weitwanderung? Ich habe mir im Vorfeld lange Gedanken gemacht und eine persönliche Checkliste angelegt. Denn seien wir ehrlich: Die Auswahl an Wegen ist riesig, aber nicht jeder „Traumpfad“ passt auch zu den Bedürfnissen von Kind und Hund.

Hier war meine persönliche „Must-have-Liste“ für den Start:

  • Moderates Profil: Keine schwierigen, hochalpinen Steige und maximal 600 Höhenmeter bergauf pro Etappe.
  • Machbare Distanzen: Nicht mehr als 20 km pro Tag (lieber etwas weniger Puffer einplanen!).
  • Hundefreundliche Logistik: Unterkünfte im Tal, bei denen ein Hund herzlich willkommen ist.
  • Abwechslung & Infrastruktur: Orte zum Entdecken und gemütliche Einkehrmöglichkeiten direkt am Weg.
  • Der „Notfall-Plan“: Die Möglichkeit, Etappen variabel mit dem Bus zu gestalten oder abzukürzen, falls die Beine mal streiken.
  • Überschaubare Gesamtlänge: Maximal 150 km insgesamt – schließlich will die Motte in den Ferien auch noch Zeit für andere Abenteuer haben.

Mit dieser Liste im Gepäck haben wir uns auf die Suche gemacht – und sind (Tadaaa!) auf den Lechweg gestoßen. Er erfüllte auf fast wundersame Weise all unsere Wünsche. Falls du wissen willst, wie wir diese Anforderungen dort konkret umgesetzt haben, schau dir gerne unseren ausführlichen Erfahrungsbericht zum Lechweg an.

Mein Tipp: Erstelle dir unbedingt deine eigene Checkliste, bevor du in die Detailplanung gehst. Wenn du weißt, was für dich und deine Familie unverzichtbar ist, filterst du aus der unendlichen Auswahl der Wege ganz schnell den richtigen heraus.

Kondition & Vorbereitung: Vom Flachlandtiroler zum Weitwanderer

Als der Plan stand, dass wir wirklich mehrere Tage am Stück laufen würden, setzte bei mir – dem bekennenden Flachlandtiroler – schlagartig das Muffensausen ein. Es ist eben ein riesiger Unterschied, ob man sonntags mal eine gemütliche Runde dreht oder sich Tag für Tag die Wanderstiefel schnürt. Während der Rest der Familie (und die Fellnase sowieso) tiefenentspannt war, sah ich mich schon nach der zweiten Etappe völlig erschöpft am Wegrand sitzen. Und nun – Sport als Vorbereitung oder was?

Muss man ein Supersportler sein?

Kurz gesagt: Nein. Aber eine gewisse Grundkondition ist die halbe Miete für den Spaßfaktor. Damit aus unserem Abenteuer kein Qualmarsch wurde, haben wir unser Wochenend-Wanderpensum in den Monaten davor deutlich erhöht. Unsere Gassirunden mutierten plötzlich zu Halbtageswanderungen und wir haben gezielt Touren mit ein paar Höhenmetern gesucht – im Sauerland konnten wir das Wandern an aufeinanderfolgenden Tagen schon mal im Kleinen testen.

Die Sache mit dem Rucksack: Wer trägt die Last?

Entscheidend beim Weitwandern mit Kind und Hund - der Rucksack mit der Verpflegung

Was ich allerdings völlig unterschätzt hatte: Es ist nicht nur das Laufen, es ist das Tragen. In unserer Familien-Konstellation war ich diejenige, die den Tagesrucksack mit der gesamten Verpflegung, dem Wasser und dem restlichen Equipment für Mensch und Hund geschultert hatte.

Selbst wenn man ohne schweres Reisegepäck wandert, läppert sich das Gewicht der „Kleinigkeiten“ (Hundereisenapf, Regenjacken, Brotzeit) rasant. Mein Rücken hat mir diese ungewohnte Dauerbelastung jedenfalls recht deutlich quittiert – und war der Grund, warum ich direkt nach der Rückkehr mit einem gezielten Rückentraining begonnen habe. Mein Tipp: Übt das Wandern unbedingt vorab mit genau dem Gewicht, das ihr später auch auf der Tour tragt!

Kenne deine Mitwanderer: Kind und Hund richtig einschätzen

Neben der eigenen Fitness ist die ehrliche Einschätzung der Kinder (und des Hundes) der wichtigste Faktor für den Erfolg. Nur weil wir Eltern eine Fernwanderung toll finden, muss das Kind nicht zwangsläufig Feuer und Flamme sein. Bevor ihr bucht, solltet ihr euch ein paar ehrliche Fragen stellen:

  • Die Lust-Frage: Hat mein Kind überhaupt Freude an der Monotonie des Gehens? Motivation ist beim Weitwandern wichtiger als Muskelkraft.
  • Körperliche Voraussetzungen: Wie steht es um die Balance und Schwindelfreiheit? Auch wenn ein Weg als „leicht“ gilt, können kleine Kraxelstellen für Kinder mit Höhenangst zur unüberwindbaren Hürde werden.
  • Wetterfestigkeit: Kann mein Kind gut mit Hitze umgehen? Auf vielen Weitwanderwegen gibt es lange Etappen ohne Schatten.
  • Die Fellnase: Ist mein Hund fit genug für mehrere Tage Belastung und wie reagiert er auf die Reize (Busse, andere Wanderer, Viehweiden) am Weg?

Mein Tipp: Tastet euch langsam heran. Wenn die Kinder bei einer Tagestour schon nach zwei Kilometern keine Lust mehr haben, wird eine Fernwanderung für alle Beteiligten eher zum Stresstest als zum Urlaub.

Lesetipp: Keine Lust auf Wandern?

Damit die Monotonie des Gehens gar nicht erst aufkommt, habe ich euch meine besten Tipps, kleinen Spiele und Motivations-Tricks für unterwegs zusammengestellt. So wird aus jedem Kilometer ein Abenteuer!

Logistik-Hacks beim Weitwandern mit Kind und Hund

Die klassische Vorstellung vom Weitwandern ist: Morgens den Rucksack packen, losmarschieren und abends in einem neuen Ort ankommen. Doch mit Kind und Hund sieht die Welt etwas anders aus. Wir wollten der Motte und unserer Fellnase ein Stück Stabilität und Ruhezeit gönnen, statt sie jeden Tag in eine neue, fremde Umgebung zu werfen.

Ein weiterer oft unterschätzter Faktor ist das Gepäck. Je nach Alter der Kinder tragen diese oft noch nicht ihr komplettes Equipment selbst – im Zweifelsfall landet das zusätzliche Fleece oder die Trinkflasche also im Rucksack der Eltern.

Noch gewichtiger (im wahrsten Sinne des Wortes) ist die Verpflegung für den Vierbeiner: Wer nicht gerade auf Barfen oder Trockenfutter-Abfüllungen in jedem Dorf setzen kann, muss das Hundefutter für mehrere Tage mitschleppen. Zusammen mit Wasser, Napf und der restlichen Ausrüstung wird aus dem Wanderrucksack schnell ein tonnenschweres Ungetüm.

Warum Standort-Unterkünfte die Rettung sind

Deshalb haben wir uns für das Konzept der Standort-Unterkünfte entschieden.

  • Leichtes Gepäck: Wir konnten mit einem normalen Tagesrucksack wandern, während der schwere Rest (wie der Wochenvorrat Hundefutter) sicher in der Ferienwohnung blieb.
  • Weniger Stress: Das tägliche Packen und Organisieren des Gepäcktransports entfällt komplett.
  • Stabilität für den Hund: Die Fellnase hat ein festes „Körbchen“ für mehrere Nächte, was besonders bei unruhigen Hunden Gold wert ist.
  • Flexibilität: Wenn die Beine doch mal schwerer sind als gedacht, ist ein Pausentag ohne Umzugsstress jederzeit machbar.

Mein Tipp: Wir haben uns für mehrere Standorte entschieden, in denen wir jeweils mehrere Nächte blieben. Wichtig ist dabei nur, dass die Anbindungen an den öffentlichen Nahverkehr (Wanderbusse oder Züge) gut auf den Wanderweg abgestimmt sind, damit die Anfahrtszeiten zum Startpunkt nicht zu lang werden.

Der unterschätzte Erfolgsfaktor: Warum ihr einen Pausentag braucht

Trotz meiner anfänglichen Bedenken packte uns bei der Detailplanung der Ehrgeiz. Wir wollten Strecke machen, jeden Tag weiterkommen, das volle Abenteuer. Doch am vierten Tag kam der Einbruch: Ich hatte eine dicke Blase am Fuß, der „Lieblingsmensch“ kämpfte mit einem Infekt und die Motivation der Fellnase war auf dem Nullpunkt. Kurz: Die Luft war raus.

Mein wichtigstes Learning: Plant bei einer Tour von mehr als 5 Tagen unbedingt einen festen Pausentag ein!

Das schöne am Weitwandern mit Kind - zusammen die Füße hochlegen

Warum die Pause kein „Versagen“ ist:

Zeit für Entdeckungen: Oft liegen am Wegesrand so tolle Orte, Museen oder Bergbahnen, für die man während einer Wanderetappe einfach keine Zeit oder Kraft mehr hat. Ein Pausentag lässt euch die Region noch intensiver erleben.

Körperliche Regeneration: Muskeln, Gelenke und vor allem die Füße brauchen Zeit, um sich an die ungewohnte Dauerbelastung zu gewöhnen.

Wetter-Puffer: Wenn es einen Tag lang in Strömen regnet oder ein Gewitter aufzieht, seid ihr froh, wenn ihr nicht „müsst“, sondern den Tag gemütlich in der Unterkunft verbringen könnt.

Mein Tipp: Wählt für den Pausentag einen Ort aus, der auch abseits des Wanderwegs etwas zu bieten hat (z. B. einen schönen Spielplatz, ein Schwimmbad oder einen gemütlichen Ortskern), damit auch die Kinder mal „Wandern-Pause“ im Kopf haben.

Packliste Tagesrucksack: Was muss mit beim Weitwandern mit Kind und Hund?

Wenn man als „Packesel“ der Familie den Tagesrucksack für Kind und Hund schleppt, zählt jedes Gramm. Nach unserer Tour habe ich meine Packliste radikal optimiert. Hier ist das, was bei uns wirklich den Unterschied gemacht hat:

Für die Zweibeiner (Mensch & Kind)
  • Viel mehr Wasser als gedacht: Mein größtes Learning! An heißen Tagen reichte die normale Wasserflasche hinten am Rucksack nicht aus. Tipp: Nutzt eine 2-Liter-Trinkblase. So könnt ihr während des Gehens trinken und habt genug Reserven für sonnige Abschnitte. Zusätzlich hatten Mann und Kind eine spezielle Bauchtasche, in die eine Wasserflasche gepasst hat.
  • Energiereiche Snacks: Nüsse, Riegel und natürlich die obligatorische Mohnschnecke für die Kind-Motivation.
  • Regenschutz & Wechselshirt: In den Bergen kann das Wetter innerhalb von Minuten umschlagen.
  • Sonnenschutz: Kappe und Sonnencreme (auch für die Nase der Fellnase!).
  • Erste-Hilfe-Set: Inklusive Blasenpflaster (glaub mir, du wirst sie brauchen!).
Für die Fellnase (Hund)
  • Faltbarer Trinknapf: Spart Platz und Gewicht.
  • Hundeschuhe / Pfotenschutz: Falls der Untergrund mal sehr schotterig oder heiß wird.
  • Maulkorb: In vielen Wanderbussen und Seilbahnen herrscht Maulkorbpflicht – unbedingt vorher trainieren!
  • Leckerlis & eine Portion Notfallfutter.
Technik-Check beim Weitwandern: Weniger ist mehr!

Hier war mein persönliches Learning: Ich hatte Selfiestick und Action-Cam dabei, aber sie blieben fast nur im Rucksack.

Mein Tipp: Wenn du nicht der Typ bist, der ständig den Rucksack absetzt und kramt, lass den schweren Technik-Kram zu Hause. Ein Handy mit guter Kamera, das griffbereit am Schultergurt befestigt ist, reicht völlig aus, um die echten Glücksmomente einzufangen.

Der Beweis: Es bleibt selten bei nur einer Weitwanderung!

Wenn man erst einmal diesen besonderen Rhythmus des Gehens für sich entdeckt hat, lässt es einen nicht mehr los. Dass unsere Tipps funktionieren, haben wir mittlerweile selbst auf weiteren Wegen getestet. Falls du jetzt direkt konkret planen willst, lass dich von unseren Touren inspirieren:

Der Lechweg: Unser perfekter Einstieg. Hier erfährst du alles über die 8 Etappen auf dem Lechweg mit Kind & Hund

Familienweitwanderung auf dem Lechweg

Der Iseltrail: Eine wilde Steigerung in Osttirol. Lies hier, warum uns dieser Weg entlang des Gletscherflusses so verzaubert hat.

Am Umbalkeesgletscher auf dem Iseltrail

Fazit: Würde ich es wieder tun?

JA! JA! Ja, unbedingt! Trotz der Blasen an den Füßen, dem schweren Rucksack und dem gelegentlichen „Muffensausen“ war unsere erste Weitwanderung eines der intensivsten Erlebnisse, die wir bisher als Familie erleben durften. Es ist eine ganz besondere Art des Reisens: Man entschleunigt fast automatisch, wenn man sich über mehrere Tage nur mit sich selbst, dem Weg und seinen Liebsten auseinandersetzt.

Ja, es zeigt dir deine Grenzen auf, aber es zeigt dir auch, was ihr als Team (Mensch, Kind und Hund) alles erreichen könnt. Spätestens am Zielort unserer Wanderung war klar: Das war erst der Anfang.

Mein Tipp: Wenn dir acht Tage für den Anfang zu groß und einschüchternd erscheinen – kein Problem! Man muss nicht direkt eine ganze Woche losziehen. Ein verlängertes Wochenende mit zwei oder drei Etappen ist der perfekte Testlauf, um zu sehen, wie Kind und Hund mit der Belastung klarkommen und ob der Funke überspringt.

Wenn du also noch zögerst: Trau dich! Mit der richtigen Planung, einem Schuss Flexibilität und genügend Pausentagen im Gepäck wird die erste Fernwanderung zu einer Erinnerung, die euch niemand mehr nehmen kann. Wir freuen uns jedenfalls heute schon auf den nächsten Sommer und das nächste große Abenteuer zu Fuß.

FAQ – Häufige Fragen zum Weitwandern mit Kind & Hund

1. Ab welchem Alter können Kinder eine Weitwanderung mitmachen?

Das hängt stark von der Wandererfahrung des Kindes ab. Wir sind mit unserer neunjährigen Tochter gestartet. Wichtig ist weniger das Alter, sondern die Ausdauer und vor allem die Motivation. Wege mit viel Abwechslung (Wasser, Kraxelstellen, Tiere) eignen sich für Kinder ab ca. 8 Jahren meist sehr gut für Tagesetappen bis zu 15 km.

2. Wie finde ich hundefreundliche Unterkünfte am Wanderweg?

Die Suche erfordert etwas Vorlauf. Wir nutzen oft Plattformen wie Booking.com mit dem Filter „Haustiere erlaubt“ oder fragen direkt bei den lokalen Tourismusverbänden an. Unser Geheimtipp sind Standort-Unterkünfte: Es ist leichter, zwei hundefreundliche Basislager für mehrere Nächte zu finden als acht verschiedene Hotels entlang der Strecke.

3. Muss ich für eine Fernwanderung extra trainieren?

Man muss kein Leistungssportler sein, aber eine solide Grundkondition ist wichtig. Wir empfehlen, in den Wochen vor der Tour das Pensum zu steigern und gezielt Wanderungen an aufeinanderfolgenden Tagen zu unternehmen. So gewöhnen sich Füße und Rücken (wegen des Rucksacks!) an die Dauerbelastung.

4. Was mache ich, wenn mein Kind oder Hund unterwegs nicht mehr kann?

Wählt unbedingt einen Weg mit guter Infrastruktur. Ein engmaschiges Netz aus Wanderbussen oder Bergbahnen ist der perfekte „Notfallplan“. So könnt ihr Etappen jederzeit abkürzen oder überspringen, ohne dass das Abenteuer abgebrochen werden muss.

5. Gilt in Wanderbussen eine Maulkorbpflicht für Hunde?

In vielen Regionen (besonders in Österreich und Südtirol) ist das Tragen eines Maulkorbs in öffentlichen Verkehrsmitteln wie Bussen und Seilbahnen gesetzlich vorgeschrieben. Trainiert das Tragen des Maulkorbs unbedingt schon entspannt zu Hause, damit es am Berg keinen Stress gibt.

Ciao und bis bald

Eure Nancy von Wanderfrei

Das könnte dir auch gefallen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert